1 Lele im Krankenhaus

Lele saß auf der Bettkante in ihrer Krankenstube, das gesunde Bein berührte den Boden, das verletzte Bein mit dem Gipsverband lag ausgestreckt auf dem Bett. 5 Tage war sie jetzt schon hier und der Strom an Besuchern schien langsam weniger zu werden. Endlich etwas Ruhe, dachte sich Lele. Über die Besuche ihrer Freunde hatte sie sich sehr gefreut, aber es waren auch jede Menge Leute gekommen, die sie nicht erwartet hätte. Ihre Mutter schien wegen des Rauswurfs immer noch beleidigt zu sein. Lele störte sich nicht weiter daran, für den Moment war es wohl auch besser so. Wie jeden Morgen war Topa vor der Arbeit vorbeigekommen. Es war ihr erste Moment zu zweit. Zu kurz, um miteinander zu reden. Seit dem Unfall hatten sie nicht mehr miteinander gesprochen. Der viele Besuch hatte also auch etwas Gutes, dachte Lele bei sich. Sie wollte erst ihre Gedanken sortieren, bevor sie mit Topa sprach. Statt verärgert zu reagieren, hatte er sehr viel Verständnis gezeigt und sich sehr liebevoll um sie gekümmert. Ihr war es deswegen um so wichtiger, ihm ihre Beweggründe zu erklären.

„Hallo Lele“, unterbrach Vendela ihre Gedanken. „Wie geht es dir heute?“

„Hallo Vendela, schön dich zu sehen.“

Lele griff in das Schubfach ihres Nachtkästchens und zog ein Paar selbstgestrickte Babysocken heraus.

„Hier, für das Baby.“

„Lele, das ist jetzt schon das dritte Paar, und man sieht noch nicht mal richtig, dass ich schwanger bin.“

„Gefallen sie dir nicht?“, fragte Lele.

„Doch, sehr sogar. Und ich freue mich auch wirklich sehr darüber. Aber du sollst Ruhe haben und dich ausruhen“, tadelte sie Vendela mit einem freundschaftlichen Lächeln.

„Aber es entspannt mich.“ Und nach einer kleinen Pause, in der Vendela die Socken in ihre Tasche steckte, verrät ihr Lele: „Und es hilft mir, die letzte Tage zu verarbeiten.“

Vendela zog ihre Jacke aus und setzte sich zu Lele.

„Geht es dabei immer noch um deine Mutter?“

Die Kritik in ihrer Stimme hatte sich in die Fürsorge einer guten Freundin verwandelt. Dankbar ergriff Lele die Gelegenheit, sich ihrer besten Freundin anzuvertrauen.

„Ich mache mir mehr Gedanken über mich und über Topa.“

„Über dich, das verstehe ich ja noch. Aber über Topa?“, fragte Vendela erstaunt. „Mehr Verständnis kann ein Mann doch gar nicht aufbringen.“

„Ja, und dafür liebe ich ihn noch mehr. Aber er sagt mir auch bei Kleinigkeiten, wie toll er das findet. Manchmal übertreibt er da gewaltig. Aber er freut sich dabei so sehr, dass ich ihm das nicht vermiesen will“

Auf dem Gang waren Stimmen zu hören.

„Und welche Gedanken machst du dir über dich?“ setzte Vendela das Gespräch fort.

„Immer noch über das, was ich dir den ganzen Sommer über schon erzählt habe.“

„Als deine Freundin habe ich den Eindruck, dass die Lösung deiner Fragen mehr mit dir als mit Topa oder deiner Mutter zu tun hat.“

Du hast recht, dachte sich Lele. Und wenn ich endlich mal wüsste, was ich will, wer ich bin und was mich glücklich macht, dann würde ich auch Lösungen sehen, und mich nicht immer im Kreis drehen.

„Willst du denn noch mal zu den Menschen? Du hast mir so viele Fragen über sie gestellt, dass ich mir schon gedacht habe, dass du eines Tages mal zu ihnen fährst.“

„Nein. Keine Ausflüge mehr. Ich möchte erst einmal hier Klarheit finden.“

„Das freut mich“ gab Vendela erleichtert zu. „Ich brauche dich nämlich, wenn das Baby da ist.“

„Oh entschuldige bitte, das war nicht sehr nett von mir. Wie geht es dir und dem Baby?“

„Sehr gut. Ich war gerade bei der Kontrolle. Nur Boje scheint etwas übervorsichtig zu sein. Er will ständig, dass ich mich ausruhe. Wenn er zuhause ist, nimmt er mir auch die kleinste Aufgabe ab. Du musst dich schonen, sagt er die ganze Zeit. Aber mir geht es gut.“

Auf Lele´s Gesicht war ein kleines Lächeln zu sehen. Endlich, dachte sich Vendela.

„Und ich lasse ihn gerne gewähren,“ fuhr Vendela fort. „So kommt er nicht auf dumme Gedanken und erledigt alles, was ich mir wünsche.“

Das Lächeln wurde zu einem Lachen und Vendela stimmte herzhaft mit ein.

2 Gedanken zu „1 Lele im Krankenhaus

  1. Hallo Philipp,
    toll, Lele & Co. machen wieder weiter. Das kann nur bedeuten:
    „Ja ist denn scho wieder Weihnachten?“
    Danke und freundschaftliche Grüße,
    Hörbie

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