Archiv für den Tag: 18. Dezember 2014

Ein schlechter Ratgeber

@TWINS: Happy Birthday und bis später zum Geburtstags Brunch!

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Das war zu viel für Lele. Ihre Müdigkeit war Wut und Enttäuschung gewichen.

An dich?“ schrie Lele. „Es ist verdammt nochmal mein Leben. Und nicht deins. Und wenn du mir schon nicht helfen willst, dann hör wenigstens mit deiner ständigen Nörgelei auf.“

Kindchen! Schluss jetzt mit dem Blödsinn. So spricht man nicht mit seiner Mutter! Hör gefälligst auf mich, dann wirst du es auch zu etwas bringen. Und glaub ja nicht, das ich tatenlos zu sehen, wie du dein Leben vergeudest, weil du allein nie etwas von Wert erreichen wirst. Eine Frau in meiner Position weiß sich zu helfen. Ohne meine Hilfe wirst du es zu nichts bringen!“

Ach verdammt. Ich kann das nicht mehr hören. Ich werd dir schon beweisen, dass ich es zu etwas bringe. Und wenn es nicht deinen Vorstellungen entspricht – prima!“ Lele rannte aus ihrem Zimmer und stürmte die Treppe hinunter.

Kindchen, komm sofort zurück“, rief ihre Mutter ihr nach.

Lass mich in Ruhe!“ brüllte Lele zurück.

Im nächsten Moment knallte auch schon die Haustür. Dies mal war ihre Mutter zu weit gegangen. Nicht nur, dass sie sie wie ein kleines Kind behandelte, jetzt griff sie auch noch ihre Freunde an. „Der werd ichs schon zeigen“, dachte Lele bei sich und stapfte ziellos durch das Weihnachtsdorf. Nach einer Weile bemerkte sie, dass sie ihre Jacke noch in der Hand hielt. Die kalte Luft tat ihr gut. Auch wenn ihr Zorn dadurch nicht weniger wurde, so hatte sie doch das Gefühl wieder halbwegs vernünftige Gedanken fassen zu können. Sie wusste, dass Zorn und Enttäuschung schlechte Ratgeber sind. Aber ihr Stolz war verletzt, und deswegen würde sie etwas unternehmen, was ihrer Mutter endlich die Augen öffnen würde. Eine Idee nahm in Lele´s Kopf Gestalt an. Schlittenfahren war falsch. Also würde sie Schlittenfahren. Und ihre Freunde würde ihr vergiftete Gedanken einreden.

Pfff,“ dachte Lele bei sich. „Ich schnapp mir einen Schlitten und fahr zu den Menschen. Dann bring ich Mama etwas mit, was sie überzeugen wird, dass ich sehr wohl ohne das was sie Hilfe nennt, etwas zustande bringen würde.“

Sie blieb stehen. Je länger sie darüber nachdachte, um so besser gefiel ihr die Idee. Wenn sie leise genug wäre, könnte sie die beiden jungen Rentiere aus Topas Stall holen. Unter dem Vordach stand noch ein alter Schlitten. Und bis zum Morgen würde sie locker wieder zurück sein.

Am Stall angekommen, sah sie in Topas Stube Licht brennen und sie hörte Stimmen. War das etwa Santa Claus? Egal, wenn die beiden beschäftigt waren, konnte das für sie nur hilfreich sein. Lele kniete sich zwischen Baja und Belia und flüsterte den beiden zu, dass sie ihre Hilfe bräuchte. Leise folgten ihr die beiden Rentiere nach draußen und liesen sich ohne Widerstand vor den Schlitten spannen. Dann ging sie zurück, um noch ein Rentierfell und eine Decke für die Fahrt zu holen. Um nicht erkannt zu werden, wickelte sie sich so tief in die Decke, dass ihr Gesicht nicht zu sehen war. Als sie endlich den Wald erreicht hatte, wuchs in ihr die Zuversicht, dass ihr kleines Abenteuer ohne Probleme verlaufen würde und niemand etwas merken würde. Und so war es auch, sie fand mühelos einen der Übergänge in die Welt der Menschen.

Am Waldrand stoppte Lele den Schlitten. Sie hatte es tatsächlich bis zu den Menschen geschafft. Mittlerweile war ihr auch bewusst, das der Grund für ihre Fahrt ziemlich doof war. Aber jetzt war sie hier und wollte ihre Neugier endlich befriedigen.

Der Himmel war sternenklar und so konnte sie in einiger Entfernung mächtige Berge sehen, die als dunkle Schatten weit empor ragten. Sie steuerte den Schlitten auf ein Dorf am Fuße der Berge zu und parkte den Schlitten am Dorfrand, gut versteckt in einer Baumgruppe.

Vendela hatte ihr von einigen Weihnachtsbräuchen der Menschen erzählt. Jetzt sah sie zum ersten mal mit eigenen Augen die unzähligen Lichter, die nicht nur die Fenster schmückten. Ganze Häuser waren mit Lichtern geschmückt, in den Gärten standen künstliche Schlitten, Rentiere und Nikoläuse, die ebenfalls leuchteten und zusätzlich noch mit Lichtern geschmückt waren. Lele schüttelte den Kopf. Nicht genug, dass die Straßen und Fenster hell erleuchtet waren, dazu kam auch noch der ganze Lichterkram. Im Weihnachtsdorf gab es Tannenzapfen, die Nachts ein schwaches Licht abgaben. Gerade genug, um den Weg sehen zu können. Aus den Fenstern der Hütten drang Kerzenlicht oder man konnte das Flackern der Kaminfeuer sehen. Aber das hier? Wozu der ganze Aufwand? Damit es Nachts hell ist? Scheinbar waren die Menschen wirklich ein Volk mit sehr komischen Angewohnheiten.