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14/2020 Bestandsaufnahme und Aufgabenverteilung

Zurück im Lager traf zuerst Topa ein, dann Fynn. Die Begrüßungen waren freundschaftlich aber kurz. Außer bei Toni. Er umarmte und küsste jeden als müsse er etwas nachholen. Noch mehr Nachholbedarf schien er beim reden zu haben.

Nach dem Essen saßen sie am Feuer und erzählten reihum von ihren Entdeckungen des Tages. Alle, bis auf Lele. Fynn fragte nicht, Lele sagte nichts von sich aus und Jarkko schwieg auch dazu.

Fynn weckte Jarkko als es noch dunkel war. Die beiden Männer griffen ihre Waffen und schlichen sich aus dem Lager.

„Wie sieht dein Plan aus?“, fragte Jarkko sobald sie weit genug weg waren.

„Die Stadt ist schlecht befestigt. Das Gefängnis auch. Die größte Stärke der Wachen ist ihre Bestechlichkeit. Es wäre leicht, rein zukommen. Die Gänge im Gefängnis sind zu eng um zu kämpfen. Es geht also nicht mit Gewalt. Entweder Bestechung oder Täuschung.“

„Oder beides.“

„Ay“, sagte Fynn.

„Dir geht doch noch etwas durch den Kopf.“

„Was taugt der Knecht?“

„Franco. Ein guter Kämpfer. Stark, geschickt und furchtlos. Und absolut loyal. Er wird tun was du von ihm verlangst.“

„Gut.“

„Toni hat erstaunliche Fähigkeiten mit der Armbrust entwickelt.“

„Gut zu wissen.“

„Verrätst du mir jetzt was in deinem Kopf vorgeht?“

Fynn erzählte, Jarkko hörte zu.

„Könnte klappen“, grinste er als Fynn fertig war. Der gab ihm einen Klaps auf die Schulter und stand auf. Nach ein paar Schritten bückte er sich. Als er wieder aufstand hatte er einen Hasen in der Hand.

„Deswegen bist du also gestern nach Topa ins Lager gekommen. Du warst jagen.“

„Wir waren jagen. Und zwar jetzt“, entgegnete Fynn. Jarkko verstand das Zwinkern.

Die Sonne krabbelte langsam den Horizont hinauf und die beiden Freunde machten sich auf den Rückweg.

Nach dem Frühstück rief Fynn alle zusammen.

„Wir haben noch vier Tage Zeit. Dann wird Jytte gehängt“, begann er. „Wir haben noch einiges an Vorbereitungen zu treffen. Ich erwarte, dass jeder seine Aufgabe erfüllt. Jeder von euch ist wichtig. Und ich brauche jeden von euch, wenn wir Jytte retten wollen und niemand von uns zu schaden kommen soll.“

Er blickte reih um jeden in die Augen, um sich ihre Zustimmung zu holen.

„Toni, du gehst mit Jarkko. Er weiß, was zu tun ist.“

„Si, Capitano.“

„Topa, du bringst Opa Kester ins Lager. Wenn es sein muss, bringt die kleine Nilla mit.“

Topa nickte.

„Cieli, du überprüfst die Vorräte. Franco wird dir sagen, was uns noch an Ausrüstung fehlt. Macht eine Liste, wir kaufen morgen ein. Dann bleibt beide im Lager. Ihr dürft euch in der Stadt noch nicht blicken lassen.“

Zweimal Kopfnicken.

„Und was ist mit mir?“, wollte Lele wissen.

„Du machst dich so hübsch wie möglich. Jarkko hat Kleidung dabei.“

„Wofür soll ich mich aufdonnern?“

„Für mich“, grinste Fynn.

13/2020 Vorbereitungen vor Ort

Lele wartete nun schon eine gefühlte Ewigkeit. Ihr Gefühl, dass sie sie nur mitgenommen hatten, weil sie Topas Freundin war, wurde dadurch nur stärker. Heute Abend würde sie mit Fynn reden. Er musste ihr die Rolle geben, die ihr zustand. Als das Warten unerträglich wurde, beschloss sie, den alten Hof von Opa Kester zu erkunden. Sie band die Rentiere an einem Baum fest und ging auf den Hof zu. Um nicht aufzufallen, hatte sie sich einen Rucksack von der Ladefläche über die Schultern gehängt und wahllos ein paar Gegenstände hineingepackt. Mit etwas Glück würde sie als Wanderin durchgehen, sollte sie jemandem begegnen.

Der Hof schien verlassen zu sein. Sie klopfte an die Tür, schaute durch ein paar Fenster, doch niemand zu sehen. Als sie einen der Schuppen betrat, schien der Hof doch nicht so verlassen zu sein. Im Gegenteil. Der Schuppen war bis unters Dach mit allerlei Kisten und Waren voll gestellt. Das die Waren in festes Tuch eingeschlagen waren, legte die Vermutung nahe, dass sie für längere Zeit gelagert werden sollten. Lele versuchte eine der Kisten zu öffnen, doch die waren mit dicken Schlössern gesichert. Auch in den anderen Schuppen bot sich ihr das gleiche Bild.

Auf dem Rückweg beschloss sie, ihre Entdeckung für sich zu behalten. Man kann nie wissen, wann eine Information wichtig sein würde. Sie vertraute darauf, den richtigen Moment zu erkennen. Zufrieden und mit etwas besserer Laune machte sie sich auf den Rückweg. Bereits aus einiger Entfernung konnte sie neben ihrem Schlitten einen zweiten entdecken. Na endlich, dachte sie.

Topa war Opa Kester bis zu einem belebten Platz in der Stadt gefolgt. Der Alte setzte sich auf den Rand einen Brunnens. Dann kramte er ein Stück Brot hervor und begann, darauf herum zu kauen. Nach einer Weile setzte sich Topa zu ihm.

„Du bist gekommen“, flüsterte Opa Kester mit Tränen in den Augen.

„Und ich bin nicht alleine.“

„Gerade noch rechtzeitig. In fünf Tagen wird Jytte gehängt.“

„Fünf Tage sind mehr als genug.“ Topa hoffte, dass seine Stimme überzeugend genug klang.

Sie unterhielten sich noch ein wenig. Abwechselnd zeigte der eine nach da, der andere dorthin.

Dann erhob sich Topa und machte sich auf den Weg zurück in ihr Versteck. Opa Kester blieb noch ein wenig sitzen. Dann machte auch er sich auf den Weg.

Jarrko war verwundert, als er den Schlitten verlassen vorfand. Er sah eine Gestalt, die den Hof verließ und in seine Richtung marschierte. Er stieg von seinem Schlitten und griff unter seinem Umhang nach seinem Messer. Als er schließlich Lele erkannte, war er erleichtert und gleichzeitig verärgert. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, dass Lele in Fynns Auftrag den Hof betreten hatte. Wenn er etwas hasste, dann Leichtsinn und Ungehorsam. Er beschloss, keine Zeit zu verlieren.

„Wir fahren zu eurem Versteck. Cieli, Toni und der Knecht werden das Lager aufschlagen. Du begleitest mich auf eine Erkundungsfahrt“, sagte er, nachdem sie sich begrüßt hatten.

In Lele wuchs die Hoffnung, dass sie eine noch größere Rolle spielen könnte. Jarrko hatte nur einen Knecht mitgebracht. Cieli würde das Lager aufräumen und kochen. Je weniger Leute dabei waren, um so mehr würden sie sie brauchen.

„Wo ist Toni?“, fragte Lele.

„Ciao Bella. Toni is hier obe.“

Lele folgte der Stimme und sah Toni in einem Baum sitzen. Er kletterte herunter und stürmte auf sie zu. Nach einer langen Umarmung und unzähligen Küssen auf beide Wangen sagte er:

„Incredibile!!! Du bist no schöner als die letzte Mal“:

Die Erkundungsfahrt mit Jarkko war ereignislos. Mehrmals ließ er sie um die Stadt fahren. Zwei Haupttore, ein kleines Nebentor, eine mannshohe Mauer und nur vier Wachtürme, die alle unbesetzt waren. All das hatte sich Lele schon bei der ersten Umrundung eingeprägt.

12/2020 Sehen ohne gesehen zu werden

Opa Kester war verzweifelt. Er saß alleine an einem Tisch. Seit Jytte verhaftet wurde war er gezwungen, in den Gaststuben in unmittelbarer Nähe seiner Wohnung zu essen. Wohnung war der falsche Ausdruck. Kurz nach der Verhaftung hatte sein Vermieter ihn aus der Wohnung geworfen. Um nicht auf der Straße schlafen zu müssen hatte er für sich und die kleine Nilla ein winziges Zimmer mit einem Fenster, dass den Namen nicht verdiente, gemietet. Tagsüber kümmerte sich das Gesinde des Gastwirts um die Kleine – natürlich gegen einen Aufpreis auf die Miete. So hatte er wenigstens die Gelegenheit, mehrmals täglich am Gefängnis vorzusprechen. Doch man lies ihn einfach nicht mit Jytte sprechen. Bis auf heute. Heute wurde er in einen kleinen Raum mit einem Tisch und zwei Stühlen geführt. Nach einer Weile führte eine Wache Jytte herein.

„Beeilt euch, der Richter wird das Urteil jeden Moment verkünden.“

Jetzt saß Opa Kester in der Gaststube und dachte immer wieder über das kurze Gespräch mit seiner Enkelin nach. Sie war schmutzig und hatte etwas an Gewicht verloren. In der „Verhandlung“ hatte sich der Richter lediglich einer lästigen Formalität entledigt, das Urteil stand vermutlich auch schon fest. Sein einziger Ausweg war, dass er mit seinem letzten Geld den Richter bestechen könnte. Vielleicht würde er so wenigstens einen Aufschub für Jytte gewinnen, bis Topa und seine Freunde ihm zu Hilfe kamen. Falls die überhaupt kommen würden.

Zur gleichen Zeit wurde Jytte vor den Richter geführt.

„Du hattest eine faire Verhandlung“, begann der Richter. „Beweise für deine Unschuld hast du nicht erbracht. Weiter ist dein Ruf nicht der beste. Um deine Schuld an der Gesellschaft zu begleichen, wirst du in fünf Tagen gehängt. Die Sitzung ist geschlossen.“

In einem kleinen Wäldchen ein wenig außerhalb der Stadt hatten Fynn, Topa und Lele ihr Lager eingerichtet. Sie hatten sich beim Fahren abgewechselt und den Rentieren nur kurze Pausen gegönnt.

„Wir teilen uns auf“, sagte Fynn.

„Topa und ich gehen in die Stadt. Ich erkunde das Gefängnis und Topa sucht nach Opa Kester.“

„Und was soll ich machen?“, fragte Lele.

„Du nimmst den Schlitten und fährst zum alten Hof von Opa Kester. Dort versteckst du dich und wartest auf Toni und Jarkko. Jarkko wird dir dann sagen, was zu tun ist.“

„Aber ich könnte viel mehr helfen wenn ich mit nach Opa Kester suche.“

„Wir können nicht alle gleichzeitig in die Stadt. Wenn etwas passiert, brauche ich dich außerhalb der Stadtmauern. Im Gefängnis nützt du mir nichts. Außerdem kann ich nicht riskieren, dass dich später jemand in der Stadt erkennt. Topa und ich sind unauffälliger. Eine hübsche Frau, die allein unterwegs ist erzeugt Aufmerksamkeit. Es wäre strategisch ein Fehler, dich jetzt in die Stadt zu schicken.“

„Aber….“

„Du bekommst deinen Einsatz noch früh genug. Jetzt brauche ich dich bei Jarkko.“

Lele stieg auf den Schlitten und fuhr davon.

„Meinst du, du hast sie überzeugt?“; fragte Topa.

„Werden wir sehen“, antwortete Fynn. „Für den Moment ist sie beschäftigt.“

Sie betraten die Stadt durch getrennte Tore. Die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen streiften sie durch die Straßen der Stadt. Fynns Anweisungen waren klar. Topa prägte sich möglichst viele Details ein.

Und Fynn lag mit seiner Vermutung richtig. Topa suchte zunächst in den Gaststuben in der Nähe des Gefängnisses. Bereits in der zweiten wurde er fündig.

Er setzte sich an einen Tisch genau im Blickfeld von Opa Kester. Als dieser ihn entdeckte schüttelte Topa leicht den Kopf. Dann trank er aus und verließ den Gastraum. Draußen positionierte er sich so, dass er den Eingang der Gaststube im Auge behielt. Als der alte Mann den Gastraum verließ folgte er ihm.

11/2020 Abgeurteilt

Am nächsten Tag brachen Fynn, Lele und Topa gegen Mittag auf. Sie verabschiedeten sich von Livdröm und ihren Freunden. Fynn war mit dem, was sie in der Kürze an Ausrüstung und Proviant zusammen stellen konnte zufrieden. Er saß hinten auf dem Schlitten und hing seinen Gedanken nach. Lele saß vorne neben Topa. Sie hatte es sich nicht nehmen lassen, den Schlitten selbst zu lenken. Topa saß schweigend neben ihr. Später würde er nicht sagen können, was unterwegs war und ob es Gedanken oder Leere war, die ihn so fesselten.

Noch während die drei unterwegs waren, wurde Jytte durch einen lauten Knall geweckt. Die Tür zu ihrer Zelle wurde aufgestoßen und die alten Angeln brachen fast unter der Wucht, als die Tür gegen das Gitter schlug. Zwei Wachen traten ein.

„Mitkommen!“, bellte der ältere der Beiden.

Jytte gehorchte. Eingerahmt von den beiden Soldaten wurde sie durch einen Gang zu einer schmalen Treppe geführt. Mit jeder Stufe wurde es etwas heller. Jytte verlangsamte ihren Schritt, damit sich ihre Augen an das Licht gewöhnen konnten. Über einen kleinen Innenhof gingen sie auf ein großes Tor zu. Dahinter befand sich ein zweites, mit dicken Eisenbändern bewehrtes Tor. Ihre Wächter führten sie die Treppe auf der linken Seite des Durchgangs hinauf. Oben angekommen betraten sie durch eine der vielen Türen einen Raum, der größer war als Jyttes gesamte Wohnung. Hinter einem erhöhten Pult saß der Richter. In jeder Ecke standen weitere Wachen, an einer der Wände saßen einige Diener und der Gerichtsschreiber.

„Du weißt, warum du hier bist?“, fragte der Richter ohne aufzublicken.

„Nein, Herr.“

Eine der Wachen schlug ihr in den Magen.

„Euer Gnaden; du sprichst das Gericht gefälligst mit Euer Gnaden an.“

Jytte nickte und stand auf.

„Nun, du wirst des Mordes beschuldigt.“ Jetzt sah der Richter sie an. „Was sagst du dazu?“

„Wen soll ich ermordet haben?“, fragte Jytte.

„Den Toten, den wir auf eurem ehemaligen Hof gefunden haben. Wenn du das Opfer nicht kennst, spielt das auch keine Rolle.“

„Euer Gnaden,“ fuhr Jytte fort. „Ich weiß nichts von einer Leiche.“

„Für´s Protokoll: Die Angeklagte streitet ab, den Toten zu kennen.“

„Euer Gnaden, ich streite ab, den Mann getötet zu haben.“

„Woher weißt du dann, dass es sich um einen Mann handelt? Nur der Mörder kann so etwas wissen.“

„Euer Gnaden, ich habe niemanden ermordet und weiß auch nichts von einer Leiche:“

„Halte mich nicht zum Narren, Weib. Der Tote wurde auf deinem Hof gefunden.“

„Der Hof gehörte meinem Großvater“, antwortete Jytte trotzig.

„Der alte Greis ist wohl kaum in der Lage, jemanden zu ermorden. Aber wenn du darauf bestehst, klagen wir auch ihn an.“

„Ich versichere Euch, Euer Gnaden, dass weder mein Großvater noch ich etwas damit zu tun haben.“

„Nun gut“, sagte der Richter. „Welche Beweise hast du dafür?“

„Beweise?“, stotterte Jytte.

„Also keine Beweise. Fürs Protokoll: Die Angeklagte kann nichts zu ihrer Entlastung vorbringen. Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück. In drei Tagen wird das Urteil verkündet.“

„Aber Euer Gnaden!“, flehte Jytte.

„Schluss jetzt! Du hattest deine Chance. Die Verhandlung ist geschlossen. Meine Frau erwartet mich zum Mittagessen.“

Der Richter stand auf und verschwand durch eine kleine Tür ohne Jytte eines Blickes zu würdigen.

Die Wachen gaben ihr einen Stoß und brachten sie zurück in ihre Zelle.

10/2020 Heimlicher Aufbruch

Kaum hatten Lele, Topa und Oma Lerke Livdröm verlassen, verabschiedeten sich auch Paola und Fynn.

„Lele war sehr seltsam heute“, sagt Paola auf dem Heimweg in ihre Hütte am See.

Fynn nickte zustimmend.

„Sie hat alles, was sie sich gewünscht hat vom Leben und ist trotzdem so unzufrieden, dass sie es nicht genießen kann“, sagte er nach einer Weile.

„Ich hoffe nur, sie macht sich das alles nicht kaputt.“

„Ay“, antwortete Fynn nachdenklich.

„Meinst du, du kannst sie mitnehmen?“

„Wir könnten sie sehr gut brauchen. Bei deiner Rettung hat sie sich wacker geschlagen. Und eine Frau dabei zu haben, gibt uns mehr Möglichkeiten. Ich hoffe nur, sie tut dann auch was von ihr verlangt wird.“

Den Rest des Weges gingen sie schweigend nebeneinander her.

Topa hatte sich mittlerweile aus dem Haus geschlichen. Lele und Oma Lerke schliefen. So konnte er sicher sein, dass sein Aufbruch nicht bemerkt worden war.

Er näherte sich der Hütte von Fynn und Paola. Durch das Fenster konnte er das Flackern im Kamin erkennen. Er parkte seinen Schlitten und trat ein.

Paola umarmte ihren Bruder lange und fest.

„Haben Sie dich bemerkt“, fragte Fynn?

Topa schüttelte den Kopf. Paola reichte ihm eine Tasse Tee.

„Aus meiner Sicht haben wir folgende Optionen“, begann Fynn. Dann zählte er eine Reihe möglicher Szenarien und ihrer Vor- und Nachteile auf. Nach kurzer Diskussion blieben nur zwei Varianten übrig, um Jytte zu befreien und auch Opa Kester und die kleine Nilla mit zu nehmen.

„Dann machen wir das so“, sagte Fynn schließlich. Dann verteilte er die Aufgaben.

„Paola, du schreibst nach Hause. Wir brauchen deinen Bruder Toni, Jarkko und am besten zwei weitere Knechte, die auch kämpfen können. Vielleicht kann auch Cieli mitkommen.“

„Du bist für die Ausrüstung, Proviant und den Schlitten verantwortlich.. Wir nehmen drei Rentiere mit, so kommen wir schneller voran“ wandte er sich an Topa. „Wir machen eine Liste, was wir alles brauchen.“

Während die beiden Männer ihre Liste zusammenstellten, schrieb Paola einen Brief an Ihre Mutter.

„Was machen wir mit Lele?“, fragte Topa als beide Aufgaben erledigt waren.

„Wir nehmen sie mit“, sagte Fynn. „Zumindest in der ersten Variante brauchen wir sie unbedingt. Und falls Cieli nicht kommt, haben wir zumindest eine Frau dabei. Paola können wir nicht mitnehmen, die Schwangerschaft ist zu weit fortgeschritten.“

„Wann brechen wir auf?“

„Morgen Mittag. Schaffst du das bis dahin?“ fragte er Topa.

„Ja.“

„Dann sehen wir uns morgen Mittag auf Livdröm.“

Topa verließ die beiden und machte sich auf dem Heimweg.

„Wo warst du?“ fragte Lele als er sich zu ihr ins Bett legte. „Du bist kalt.“

Du auch, dachte er.

„Spazieren und den Kopf frei kriegen“, log er.

„Hilfst du uns, Jytte zu befreien?“, fragte er dann

„Ja“, log sie.

„Wir brechen morgen Mittag auf.“

„Okay.“

Dann taten beide so, als würden sie schlafen.

9/2020 Feuchtes Erwachen

Als er wieder zu sich kam, schmerzte sein Kopf. Aber das war nicht sein einziges Problem. Er wusste nicht, wo er war und wie er hier her gekommen ist. Er konnte sich noch an einen Schlag und eine weiße Flagge erinnern. Mehr war da nicht mehr. Er versuchte, sich zu bewegen. Seine Beine bewegten sich erstaunlich leicht. Jetzt registrierte er, dass er bis zur Brust im Wasser lag. Er war nicht gefesselt. Und er war nicht alleine. Ihm gegenüber saß einer der Matrosen. Sein Kopf hing tief herab und folgte willenlos den Bewegungen des Schiffs. Fynn war in der Bilg. Doch wie war er hier her gekommen und warum? Er versuchte, den andere Matrosen zu wecken.

Mit dem Fuß stieß er gegen sein Bein.

„He, wach auf“, flüsterte er. Doch der andere zeigte keine Reaktion.

Fynn wiederholte das ganze noch ein paar mal. Immer etwas stärker, seine Stimme immer etwas lauter. Am Ergebnis änderte sich nichts. Er setzte sich etwas aufrechter hin. Sofort stieß er mit dem Kopf an. Tief gebückt kroch er zu dem Matrosen, Mund und Nase nur einen Finger breit über der salzigen Brühe. Sein Zellengenosse atmete noch. Er spritze ihm etwas Wasser ins Gesicht, schüttelte seine Schulter und hielt ihm schließlich Mund und Nase zu.

Der Matrose schreckte auf, stieß sich heftig den Kopf, aber er war wach und ansprechbar.

„Geht´s?“ fragte er knapp.

Mehr als ein Nicken brachte der andere nicht zustande.

Fynn gab ihm noch einen Moment, dann fragte er weiter.

„Was ist passiert?“

„Weißt du das nicht mehr? Wir haben ein Schiff überfallen.“

„Und was machen wir beide dann hier?“

„Hast ja ganz schön ein an die Glocke bekommen, wenn du nix mehr weißt.“

„Dann erzähl´s mir.“

„Ich bin hier, weil mein Hacken nicht auf dem anderen Schiff gelandet ist. Nicht weiter schlimm, in ein paar Tagen bin ich hier wieder raus.“

„Und ich?“, fragte Fynn

„Um dich würde ich mir mehr Sorgen machen. Du hast dich da in was eingemischt, was Pal dir nicht durchgehen lassen wird.“

Bevor der andere weiter reden konnte, öffnete sich über Ihnen eine Lucke. Fynn wurde gepackt und nach oben gezogen. Seine Hände wurden gefesselt, dann schleiften ihn zwei Matrosen ihn in die Kabine des Kapitäns.

Er war sich nicht sicher, ob er wirklich dem Kapitän gegenüber stand oder nur ein Bild ansah. Die Szene war exakt so, wie bei seinem letzten Auftritt hier.

„Meine Männer haben mir erzählt, was passiert ist“, begann der Kapitän. „Hier an Bord haben wir klare Befehle, klare Strukturen. Und daran halten sich alle. Was hast du dazu zu sagen?“

Fynn versuchte aus den wenigen Erinnerungen die zurück gekommen waren eine passende Antwort zu formulieren.

„Sie hatten sich ergeben. Sie waren weder bewaffnet noch haben sie sich sonst irgendwie feindlich oder aggressiv verhalten“, sagte er mit möglichst viel Überzeugung in der Stimme.

„Das war eine Falle, du Dummkopf“, sagte Pal aus dem Hintergrund.

„Du magst an Land viel gekämpft haben, aber auf See fehlt dir die Erfahrung. Jedoch müsstest du wissen, was es heißt, Befehle zu missachten.“

Der Kapitän lies eine kleine Pause entstehen.

„10 Stockschläge und 10 Tage bei Notration in die Bilg. Und jetzt raus mit ihm.“

Wieder wurde Fynn gepackt und weg geschleift. Diesmal jedoch in dir andere Richtung. Nicht nach oben wie zuletzt, sonder nach unten in den Bauch der Marten.

Die Lucke wurde geöffnet und Fynn hineingeworfen. Der Deckel fiel zu und Fynn hörte den Riegel einrasten.

Das war also sein zuhause, für die nächsten zehn Tage.

8/2020 Überfall auf hoher See

Vier der fünf Haken hatten ihr Ziel gefunden. An allen Seilen wurde kräftig gezogen. Die Schiffe bewegten sich erst nur zögerlich. Dann bewegten sie sich immer schnelle aufeinander zu.

Fynn handelte, ohne nachzudenken. Sein ganzen Leben als Soldat war er für den Kampf trainiert worden.

„Auf Aufprall vorbereiten!“, rief er.

Seine Hände ließen das Seil los und fasten automatisch die Reling. Sein ganzer Körper spannte sich.

„3…. zwei….. eins….“, zählte er runter. Die ganze Zeit über hatte er die Augen auf das andere Schiff gerichtet und schätze ständig den Abstand neu ein und wann die beiden Schiffe aufeinander prallen würden.

„Jetzt!“, brüllte er.

Fynn nutze den Moment des Aufpralls um den Schwung für seinen Sprung auf das andere Schiff zu nutzen. Noch in der Luft griff er den Schlagstock und zog ihn aus dem Gürtel. Kampfbereit landete er auf dem fremden Deck. Hinter sich hörte er weitere Stiefel auf Holz knallen.

Ihm gegenüber standen die Gegner. Die Männer hinter ihm gingen sofort zum Angriff über.

Doch etwas lies ihn zögern.

Die gegnerischen Matrosen bewegten sich nicht. Sie standen nur da, mit erhobenen Armen.

Sie hatten sich ergeben. Sie wollten nie kämpfen. Hatten sie ein Schiff angegriffen, dass sich ergeben hatte?

Doch das hinderte seine Leidensgenossen nicht daran, die Mannschaft anzugreifen. Sie stürmten weiter auf sie zu und schlugen auf sie ein.

Wieder handelte Fynn instinktiv. Er packe den ersten Matrosen den er greifen konnte und schleuderte ihn zurück. Dem nächsten Schlug er in die Beine. Einem weiteren sendete ein gezielter Schlag ins Reich der Träume.

„Hört auf!“, brüllte er. „Sie haben sich ergeben!“

Die Matrosen hielten mitten in der Bewegung inne und starrten ihn an.

„Lasst sie los. Sie haben sich ergeben“, wiederholte er.

In seinem Kopf rasten die Gedanken. Wie hatte es dazu kommen können. Wehrlose Gegner anzugreifen war eine Grenze, die er nie überschritten hatte. Die Männer gehorchten, wenn auch zögerlich.

Am Heck öffnete sich eine Tür. Heraus kam ein kleiner Mann, der genau so breit wie hoch war. Seine Kleidung war mal teuer gewesen. Das größte an ihm war sein Hut.

„Wer ist euer Anführer?“, fragte er.

Die Matrosen blicken stumm und möglichst unauffällig zu Fynn.

„Bitte Herr“, wandte sich der quadratische Mann an ihn. „Haltet ein, edler Herr. Wir haben friedliche Absichten.“

Fynn schwieg.

„Habt ihr denn die Flagge nicht gesehen?“, fragte der Mann weiter.

Flagge? Welche Flagge? Fynn konnte immer noch nicht klar denken. Hatte er einen Fehler gemacht?

Da traf ihn ein Schlag am Kopf. Fynn merkte, wie seine Beine nachgaben. Im Fallen sah er eine weiße Flagge am Mast. Er hatte einen Fehler gemacht.

Und dann wurde es dunkel.

Welchen Fehler er wirklich gemacht hatte, sollte er erst erfahren wenn er wieder aufwachen würde.

7/2020 Alles nur Show?

Casper wurde an den Mast gebunden. Bis auf eine Hand voll Männer, die an Bord bleiben sollten, wurden Waffen an die Mannschaft der Marten ausgegeben. Fynn war überrascht, wie schlecht die Waffenkammer ausgerüstet war. Als Soldat war er Waffenkammern gewohnt, deren eigentliche Funktion es war, die kostbaren Waffen vor Diebstahl schützen sollten.

Auf der Marten war die Waffenkammer ein kleiner Verschlag, in dem alles womit man einen Gegner verletzen, kampfunfähig oder gar töten konnte kreuz und quer durcheinander lag. Schwerter oder Messer waren dabei eher die Ausnahme. Beile, Äxte, Spieße und Lanzen waren stumpf oder verbeult, gemeinsam war ihnen nur der Rost. Der Großteil aber waren Knüppel oder Äste, deren Ende mit einer Art Lederband umwickelt waren, damit sie beim zuschlagen nicht aus der Hand rutschten.

Auch die Seile, an deren Ende die Enterhaken befestigt waren, hatten ihre beste Zeit schon hinter sich. Fynn erhielt ein Seil samt Enterhaken und einen armlangen Stock.

„Das krieg ich aber zurück“, versuchte der Waffenmeister einen Scherz.

Fynn ging zurück an Bord und nahm seinen Platz in der Formation wieder ein. Er blickte zu Casper. Der Junge schien von dem ganzen Trubel an Bord nichts mit zu bekommen, so verängstigt war er. Dann suchte sein Blick die Kanonen. Die Schießscharten waren noch geschlossen. Je ein Matrose stand hinter einer der acht Kanonen. Was fehlte, waren Kanonenkugeln und die kleinen Fässer mit dem Schießpulver.

„Keine Kugeln, kein Schießpulver“, flüsterte er.

„Ham wa nich“, antwortete der Matrose neben ihm ebenso leise.

Ein Bluff? Der ganze Angriff beruhte auf einem Bluff? Abzüglich der Matrosen die an Bord blieben, den Offizieren und den acht Mann hinter den Kanonen, blieb also nur gut die halbe Mannschaft für den Angriff übrig. Und das ohne Rückdeckung durch die Kanonen.

„Aufgepasst und hergehört!“, bellte Pal.

„Der Angriff läuft wie immer. Für die Frischlinge an Bord heißt das: Auf mein Kommando werft ihr die Enterhaken. Dann das Schiff ranziehen, rüberspringen und auf alles schlagen was sich bewegt. Ihr hört erst auf zu kämpfen, wenn ich es euch befehle. Wer nicht spurt kommt drei Nächte ohne Wasser und Brot in die Bilge. Wer seinen Haken ins Wasser schmeißt vier Nächte.“

Das sonst übliche ‚klar so weit?‘ entfiel ersatzlos.

„Auf eure Plätze!“, befahl Pal.

Die Männer mit den Enterhaken knieten hinter der Reling. Je zwei Matrosen knieten dahinter um beim ziehen zu helfen. Fynn konnte das feindliche Schiff nicht sehen. Er würde also erst im letzten Moment abschätzen können, wohin genau er seinen Haken werfen musste. Wie wirft man so ein Ding?, fragte er sich selbst.

Die anderen Werfer hatten den Haken schräg hinter sich auf das Deck gelegt, gut eine Armlänge entfernt. Er konnte die Bewegung erahnen.

„Kanonen in Stellung“, bellte einer der Offizier.

„Kanonen in Stellung“, antworteten die Matrosen der Reihe nach.

Dann wurden Lunten angezündet und so gehalten, dass der Gegner sie sehen konnte.

„Wenigstens ist der Bluff zu Ende gedacht“, flüsterte Fynn.

In der Nähe des Bug spritze Gischt über die Reling. Die Marten hatte Fahrt aufgenommen.

„Werfer bereit“, befahl der Offizier.

„Werfer bereit“, bestätigen die Werfer.

Fynn spannte alle Muskeln an und wartete auf das nächste Kommando.

„Jetzt!“ brüllte Pal.

Fynn sprang auf. Sofort began er, den Haken über seinem Kopf kreisen zu lassen. Dann ein schneller Blick auf das fremde Schiff. Noch zwei kräftige Kreise, dann lies er den Haken los.

Der Haken schlug an Deck ein. Die Männer hinter ihm waren aufgestanden und zogen das Seil straff. Fynn stemmte sich gegen die Reling. Sobald das Seil auf Spannung war, zog er mit aller Kraft.

6/2020 Du wirst doch nicht!?

Topa öffnete den Brief und las:

Lieber Topa,

wir sind in großer Not. Jytte wurde verhaftet. Man lässt mich nicht zu ihr und sagt mir auch nicht den Grund. In der Stadt munkelt man, sie sei wegen Mordes verhaftet. Du bist der einzige, dem ich trauen kann. Entschuldige bitte meine Not, aber ich brauche mein letztes Geld um Essen für die kleine Nilla zu kaufen. Jetzt, da Jytte nicht mehr arbeiten kann, bleiben mir nur meine Ersparnisse.

Bitte komm schnell, ich weiß nicht wie lange wir noch durchhalten.

Dein Opa Kester

„Ach, der will doch nur Geld. Schicken wir den Boten mit ein paar Münzen zurück und die Sache ist erledigt.“ Lele versuchte so überzeugend wie möglich zu klingen.

„Das hilft Opa Kester und Nilla“, entgegnete Topa. „Aber nicht Jytte.“

„Was geht dich dieses Frauenzimmer an?“, blaffte Lele. „Schon vergessen? Sie hat dir mit der Schaufel eins übergebraten, dass du bewusstlos warst.“

„Jetzt beruhige dich bitte“, sagte Paola und legte Lele die Hand auf die Schulter. „Sie hat uns geholfen und wir sollten in Ruhe darüber diskutieren, wie wir auf diesen Hilferuf reagieren.“

Lele schlug ihr die Hand weg und starrte sie an. Jetzt auch noch Paola. Eigentlich hätte sie damit rechnen müssen, dass Paola zu ihrem Bruder halten würden. Blieb ihr also noch Vendela als Verbündete.

„Geld ist die beste Lösung“, verlieh Lele ihrer Forderung Nachdruck. „Wir können Boje und Vendela nicht schon wieder im Stich lassen. Sie sind unsere Freunde. Stimmt´s Vendela?“

„Wir könnten in der Tat jede Hilfe brauchen, die wir kriegen können“, sagte Vendela.

Lele triumphierte.

„Unsere Situation ist ernst“, sagte Boje.

Lele triumphierte noch mehr. Boje war also auch auf ihrer Seite. Sie fiel ihm ins Wort.

„Und wir können von Fynn nicht schon wieder verlangen, zu kämpfen und sein Leben zu riskieren.“ Wenn jetzt noch Fynn auf ihrer Seite wäre, dann hätte sie gewonnen.

„Ich war noch nicht fertig“, sagte Boje. „Unsere Situation ist ernst, und wir können tatsächlich jede Hilfe brauchen. Doch unsere Lage ist nicht lebensbedrohlich. Die von Jytte schon“, half er seiner Frau aus der unmöglichen Situation, in die Lele sie gebracht hatte.

Lele funkelte ihn wütend an. Verräter, schoss es ihr durch den Kopf.

„Naja!“, antwortete sie. „Nur Pech, dass Kester Topa um Hilfe gebeten hat und nicht euch. Komm Topa, wir gehen. Wir regeln das mit dem Boten und die Sache hat sich erledigt.“ Sie stand auf, und zog ihre Jacke an.

Topa blieb sitzen.

„Was ist?“, fragte sie gereizt. „Du denkst doch nicht ernsthaft darüber nach, sie zu retten? Oder hast du dich etwa in dieses Bauernmädchen verguckt?“

Bevor er etwas sagen konnte, erhob sich Oma Lerke.

„Nun, das macht ihr jungen Leute mal unter euch aus. Es wäre schön, wenn du mich nach Hause begleitest“, sagte sie zu Lele.

Fynn nutze den Augenblick und nickte Topa zu.

„Und du kommst mit“, herrschte Lele Topa an.

Topa stand auf, half Oma Lerke in den Mantel und zog dann seine eigene Jacke an. Paola umarmte ihn zum Abschied.

„Komm nachher zu uns in die Hütte“, flüsterte sie ihm dabei ins Ohr.

Lele war wütend, weil ihre Freunde ihr in den Rücken gefallen waren. Aber sie hatte die Situation dank Oma Lerke noch retten können. Topa würde diesem Weib nicht helfen. Er war ihr Freund.

5/2020 Die erste Beute

Die nächsten Tage verbrachte Fynn damit, seine Gedanken zu sortieren. Er musste sich über einige Dinge an Bord der Marten klar werden. Er war überzeugt, dass Tahge mehr wusste als er ihm erzählte. Je früher er an weitere Informationen kam, um so besser.

„Ich habe fünfzehn Schüsseln gezählt“; sagte er nebenbei. Die beiden Männer standen in der Kombüse, Fynn half dem Smut klar Schiff zu machen.

„Dann musst du genauer hinschauen“, antwortete der Koch.

„Ich meine bei den Matrosen. Die Offiziere und Unteroffiziere nicht mit eingerechnet.“

„Du musst genauer hinschauen“, wiederholte Tahge.

„Ay.“

Nach einer kleinen Pause sagte Fynn: „Ein erster Offizier braucht immer die Rückendeckung seines Kapitäns.“

„Ay“, bestätigte Tahge. „Der Respekt der Mannschaft kann eine noch größere Rückendeckung sein.“

Die beiden unterhielten sich noch eine Weile über scheinbar belanglose Dinge. Wie viele Mann Besatzung man für welchen Schiffstyp benötige, ob es südlichen Gewässern gefährlicher war als in nördlichen, wie viele Schiffe man benötige um eine Stadt mit so und so vielen Bewohnern anzugreifen, wie man auf See manövrieren musste um ein größeres Schiff entern zu können und wie viel Rum ein Matrose am Tag trinken sollte, ohne einen Hafen samt Kneipe zu vermissen.

Zurück auf seinem Schlafplatz ordnete Fynn die neuen Informationen.

Die Marten war eine Fleute. An sich ein ideales Schiff; schnell, wendig, gut bewaffnet, genügend Tonage auch für größere Beute und mit rund 2 Dutzend Männern zu segeln. Mit einer Fleute konnte man sich schnell in eine Position zum entern manövrieren ohne möglichem Kanonenfeuer zu lange ausgesetzt zu sein. Von den 2 Dutzend Männern müsste nur eine handvoll an Bord bleiben, der Rest – bis an die Zähne bewaffnete, erfahrene Kämpfer die nichts zu verlieren hatten – würde auch die größten Handelsschiffe im Handstreich einnehmen. An Bord der Marten dienten gut 3 Dutzend Männer, also eine ordentliche kleine Armee. Doch nicht alle waren zum Meutern bereit, zwar mehr als die von Fynn gezählten 15, jedoch keiner der Offiziere, dafür aber einige Unteroffiziere. Wie viele genau wusste auch Tahge nicht. Pal behielt seinen Posten nur, weil der Kapitän hinter ihm stand. Bevorzugt ging die Marten in nördlicher Richtung auf Beutefang.

Damit konnte er seine nächsten Schritte planen, auch wenn es noch einige unbekannte Faktoren gab.

Kaum war Fynn eingeschlafen, wurde er mit einem heftigen Fußtritt geweckt.

„Steht auf ihr Maden, und keinen Mucks´!“, befahl einer der Offiziere. Er sprach so laut, dass jeder es hören konnte, doch leiser als gewöhnlich.

„An Deck angetreten, oder ich mache euch Beine!“

Die Männer erhoben sich und torkelten an Deck. Dort wartete bereits Pal mit dem Rest der Offiziere. Der Kapitän stand an der Reling, sein Fernglas fest auf einen Punkt am Horizont gerichtet. Fynn blickte sich um. Es fehlte nur der Waffenmeister. Selbst Tahge und seine Helfer waren angetreten. Das Deck wurde nur vom Mondlicht erhellt. Das lies nichts gutes vermuten. Und Fynn sollte recht behalten.

„Schiff voraus“, begann Pal. „Leichte Beute, so wie es aussieht. Trotzdem gehen wir kein Risiko ein. Fünf Mann bleiben an Deck, der Rest ab zur Waffenkammer. Du!“, Pal zeigte auf Capser. „Du bleibst an Bord. Und du“ -Pal zeigte auf einen der Unteroffiziere – „bewachst ihn.“

Dann zeigte er auf Fynn.

„Du enterst als erster, mal sehen ob du so gut bist wie du denkst. Wenn du kneifst oder sonst eine dumme Idee hast, stirbt der Kleine da.“

Damit waren die Rollen verteilt.

Fynn hatte den gefährlichste Aufgabe bekommen; Casper war Pal´s Pfand, sollte er mit Fynn nicht zufrieden sein.