Archiv für den Tag: 14. Dezember 2017

14/2017 Fieberwahn oder „echt jetzt?“

Paola wachte in dieser Nacht mehrmals auf, weil Fynn sehr unruhig schlief. Immer wieder drehte er sich oder schlug mit den Armen um sich und traf dabei Paola. Wenn Paola ihn berührte und wieder so hinlegte, dass er nicht auf der Wunde lag, hatte sie den Eindruck, dass Fynn wach wurde und versuchte zu sprechen. Sie deutete das als gutes Zeichen, dass das Fieber etwas gesunken sei. Kurz überlegte sie, Lele zu wecken die am Feuer schlief, ließ es dann aber bleiben.

Paola stand auf, um etwas sich etwas Tee vom Kessel über der Feuerstelle zu holen. Vielleicht könnten sie in ein oder zwei Tagen aufbrechen, wenn das Fieber weiter sank. Zurück bei Fynn setzte sie sich und sah im ins Gesicht. Fynn schlief und sie sah ihm einfach dabei zu. Nachdem sie den Tee ausgetrunken hatte, legte sie sich ganz nah zu ihm und küsste ihn.

„Maden“, flüsterte er schwach. Paola freute sich über das erste Wort von ihm seit Tagen, schob es aber auf das Fieber, dass nichts besseres als Maden dabei herauskam. Deswegen reagierte sie auch nicht.

„Maden“, sagte er wieder.

„Maden?“

„Fressen….. Fleisch……. totes..Fleisch.“

„Maden…. Wunde….“ Dann nahm er ihre Hand und legte sie auf seinen Verband.

Sie versuchte ihn ganz aufzuwecken. Scheinbar wollte er ihr etwas sagen. Doch das Fieber hatte wieder die Oberhand gewonnen und Fynn schlief tief und fest.

Paola weckte Lele.

„Maden auf die Wunde“, murmelte sie noch etwas verschlafen.

„Das ist die einzige vernünftige Erklärung, wenn wir seine Worte überhaupt ernst nehmen.“

„Könnte sein.“

„Nicht dein Ernst.“

„Doch“, erwiderte Lele. „Mein Ex-Freund war Arzt und im Krankenhaus haben sie sich öfter darüber unterhalten, dass bestimmte Maden zur Wundheilung eingesetzt werden können.“

„Was für Maden?“ Paola war jetzt ganz wach.

„Keine Ahnung, irgendwelche Fliegen würden wohl ihre Eier auf toten Tieren ablegen und die Maden fressen dann das tote Fleisch.“

„Das ist die Lösung“, reif Paola. „Wieso hast du mir das nicht früher erzählt.“

„Spinnst du?´Du kannst doch nicht einfach irgendwelche Viecher in die Wunde legen. Das könnte sein sicherer Tot sein.“

„Aber es könnte funktionieren. Los, erzähl mir alles was du gehört hast!“

Lele erzählte und Paola hörte zu.

„So machen wir es“, sagte Paola schließlich.

„Du könntest ihn töten!“, schrie Lele sie an.

„Wenn wir nichts tun, stirbt er auch!“ Auch Paola wurde jetzt laut.

„Das Risiko ist zu groß! Da mach ich nicht mit. Wo willst du überhaupt Maden herbekommen?“

„Wir umgeben von Wald. Hier gibt es jede Menge toter Tiere. Wir suchen eines, schneiden es auf und sehen was passiert.“

„Und locken dadurch auch noch wilde Tiere an. Tolle Idee!“

„Hast du eine bessere?“

„Topa kommt bestimmt bald zurück.“

„Darauf will ich nicht warten. Du kannst mir helfen oder es bleiben lassen.“

Als Lele am morgen erwachte, waren Paola und der Schlitten verschwunden.

„Diese blöde Kuh“, schimpfte sie laut. „Sie wird ihn noch umbringen.“ Sie versorgte Fynn´s wunde, gab ihm etwas Tee zu trinken und steckte ihm etwas eingeweichtes Brot in den Mund. Den ganzen Tag kämpfte sie mit sich selbst. Paola zu helfen war riskant, ihr nicht zu helfen auch. Egal was sie machen würde, Fynn würde sterben und sie, Lele, würde Schuld daran sein.

Am Nachmittag kam Paola zurück. Auf der Ladefläche lag ein toter Hase.