Archiv für den Tag: 3. Dezember 2021

3/2021 Zu verlockend

In jeder Hütte die Tomte Tummetott auf seinem Weg durch das Weihnachtsdorf betrat fand er die Bewohner friedlich schlafend. Die Feuer in den Kaminen waren aus, nur die Glut schimmerte noch leicht.

Schließlich erreichte er den Stall, über dem Topa wohnte. Tomte war müde und ruhte sich eine Weile aus, aß ein wenig von der Brotzeit und trank seinen Tee. Er putzte sich die Krümmel von seinem Wams und sah nach Topas Rentieren. Die waren seine nächtlichen Besuche gewohnt, hoben nur kurz die Köpfe und schliefen weiter. Tomte legte den beiden etwas Heu hin und stieg die Treppe hinauf.

In der Wohnstube schlief Opa Kester. Tomte betrachtete den alten Mann eine Weile. Das Schicksal war ihm nicht immer eine gute Freundin. Sein Gesicht und seine Hände waren gezeichnet von Sorgen, Entbehrungen und Leid. Trotzdem hatte Opa Kester es irgendwie geschafft, für Jytte nicht nur ein Großvater, sondern auch ein Vater und irgendwie eine Mutter zu sein. Tomte freute sich auf sein erstes Gespräch mit ihm.

Jytte und die kleine Nilla lagen in Topas Bett. Jytte hatte den Arm um ihre Tochter gelegt, die Kleine nutze die Hand ihrer Mutter als Kopfkissen. Ihm kam der Gedanke, wie viel Verantwortung Jytte in ihrem Leben zu tragen hatte. Sie musste nicht nur für Ihre Tochter sorgen, auch Opa Kester war zunehmend auf ihre Hilfe und auf das Geld angewiesen, das Jytte verdiente.

Tomte hoffte, dass die drei hier ein Zuhause finden würden. Vielleicht fand sich sogar ein Mann für Jytte. Er hatte da schon so eine Ahnung. Wieder grinste der Kobold über sich und seine Gedanken. Eigentlich war es ihm verboten, sich in das Leben der Dorfbewohner einzumischen. Nur manchmal war es einfach zu verlockend, dem Glück etwas auf die Sprünge zu helfen. Doch dann fielen ihm die Folgen ein, sollten seine Gedanken Wirklichkeit werden. Das brachte ihn zurück zu seiner Suche nach Lele. Leise schlich er aus der Stube und stieg die Treppe hinunter.

Er vermutete Lele auf Livdröm. Auf dem Weg dorthin verfinsterten sich seine Gedanken. Lele – sein größtes Sorgenkind. Bisher war immer alles gut gegangen und es war immer einer der Freunde da gewesen, der Lele aufgefangen hatte, wenn die dunklen Schatten in ihr wieder einmal die Oberhand gewonnen hatten. Doch irgendwann würde vielleicht mal niemand da sein. Und dann?