22/2021 Der Anstifter

„Kinder, geht raus und spielt!“, befahl Vendela. Langsam wurde es sehr laut in der Wohnstube, eng war es ohnehin schon. Die Tür knallte ins Schloss und augenblicklich trat der gewünschte Effekt ein. Sie war gerne die Gastgeberin, es gab ihr eine gewisse Zufriedenheit, wenn es allen einfach gut ging. Was sie nicht so gerne hatte war, wenn sie dabei den Überblick verlor. So wie jetzt. Sie blickte sich um. Es hatten sich drei Grüppchen gebildet. Eine Senioren-Gruppe mit Oma Lerke, Opa Kester, Gaia und Matteo sowie der kleinen Maj-Lis. Eine zweite Gruppe, sie nannte sie in Gedanken die Männer-Gruppe, bestand aus Santa Claus, Onkel Pelle, Topa und Fynn. Als letzte Gruppe noch Jarkko, Jytte, der Knecht, Toni und Cieli. Blieben noch Tante Unn und Paola, die sich wahrscheinlich in die Küche zurückgezogen hatten. Sie fand die beiden dort, gemütlich schwatzen und Tee trinken. Nach einer Weile gesellte sich Gaia zu den drei Frauen.

„Bei euch war der Weihnachtsmann auch?“, wollte Vendela von Tante Unn wissen.

„Ja, und bei Oma Lerke auch. Und überall hat er einen riesigen Berg an Geschenken hinterlassen.“

„Ich glaube“, mischte sich Gaia nun ein ,“ da muss ich euch etwas erklären. Hinter der ganzen Aktion steckt Toni. Er hat uns gebeten hier her zu kommen und auch die Geschenke organisiert.“

„Aber wo hat er das ganze Zeug her?“

„Von unserem Gut“, antwortete Gaia. „Die beiden letzten Jahre waren die Ernten so reich, dass wir förmlich keinen Platz mehr haben, alles zu lagern bevor es verdirbt.“

„Und wir können ein paar Vorräte gerade wirklich gut gebrauchen“, gestand Vendela.

„Paola, dein Vater und ich wollen mit dir reden, magst du mich in die Wohnstube begleiten?“

Gaia, die es gewohnt war zuhause das Kommando zu haben, sortierte die Gruppen neu. Cieli wurde von ihr in die Küche beordert, Matteo und Toni an ihre Seite, Jarkko und der Knecht hatten nach den Kindern zu sehen. Jytte blieb sitzen, froh ein bisschen Ruhe zu haben.

„Wir haben beschlossen“, begann Gaia, „ uns zur Ruhe zu setzen und das Gut an Toni zu übergeben. Dir steht die Hälfte davon zu.“

„Ich muss das mit Fynn besprechen“, sagte Paola.

„Äh, alora. Ih abe eine Plan, si?“, sagte Toni nach dem er sich per Blickkontakt die Erlaubnis zu sprechen von seiner Mutter geholt hatte.

„Ih bezahl von jede Ernte eine Teil an di und be’alte die Gut.“

Paola vermutete, dass sie nur der Form halber gefragt worden war und die Sache schon längst beschlossen war. Grundsätzlich gefiel ihr die Lösung, auch wenn sie sich nicht ganz sicher war, ob Toni wirklich die beste Wahl als Herr über das elterliche Gut war.

„Liebes, denk in Ruhe darüber nach. Wir sind noch ein paar Tage hier“, sagte Gaia.

Paola musste gar nicht viel darüber nachdenken. Das passte fast perfekt in den Plan, den sie sich mit Vendela ausgedacht hatte. Sie hoffte, dass Fynn das Angebot von Toni wie sie als Chance sah.

Sie suchte seinen Blick und gab ihm zu verstehen, dass sie jetzt mit ihm reden wollte. Dann wandte sie sich an Toni: „Kannst du bitte mal nach den Kindern sehen?“

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