23 Die Vermählung

Der Bürgermeister begrüßte das Brautpaar, die Eltern der Brautleute und die Trauzeugen. Dann blickte er Braut und Bräutigam in die Augen und nickte ihnen zu. Boje und Vendela lösten sich von ihren Eltern, traten auf einander zu und reichten sie die Hände. Gäste und Zuschauer der Trauung platzierten sich rund um die große Linde und bildeten eine Gasse für das Brautpaar. Musik setzte ein und der Bürgermeister ging mit langsamen Schritten durch das Spalier in Richtung der Dorflinde. Ihm folgte traditionell die Braut, die von ihrem Bräutigam zur Trauung geführt wurde. Den Schluss der kleinen Gruppe bildeten die Eltern der Brautleute sowie Topa und Lele, die als Trauzeugen die Patenschaft für die Ehe ihrer Freunde übernahmen. Als sie den äußeren Rand der Linde erreichten, ließen Wichtel bunte Blütenblätter aus den Zweigen regnen.

Mit dem gewaltigen Stamm der Linde im Rücken sprach der Bürgermeister zu Vendela und Boje. Er erinnerte an Traditionen, Werte und an das Versprechen, dass sie mit ihrer Vermählung eingingen.

„Reicht euch nun die Hände“, schloss er seine Ansprache.

Boje hob eine Hand und streckte sie nach vorne. Vendela legte ihre Hand in seine.

„Unter den Augen der Dorfgemeinschaft geht ihr den Bund fürs Leben ein“, sprach der Bürgermeister. Dann nahm er ein goldfarbenes Band und wickelte es symbolisch um ihre Hände.

„Mit diesem Bande seit ihr nun vermählt und seit fortan als Mann und Frau für einander bestimmt.“

An den Enden des Bandes waren zwei Ringe befestigt. Boje nahm einen Ring mit seiner anderen Hand und steckte ihn mit zittrigen Fingern an Vendelas Ringfinger.

„Mit diesem Ring gebe ich mich dir als Mann und nehme dich als meine Frau.“

Vendela nahm den anderen Ring und steckte in an Bojes Ringfinger.

„Mit diesem Ring gebe ich mich dir als Frau und nehme dich als meinen Mann.“

Unter viel Beifall und lauten Jubelrufen gaben sie sich den ersten Kuss als Eheleute. Hand in Hand schritten sie nun den selben Weg zurück zum Rande des Dorfplatzes und von dort nach Livdröm. Wieder fielen bunte Blütenblätter aus der Linde auf sie herab. Ein langer Hochzeitszug schlängelte sich durch das Dorf. Kinder sprangen herum, Anwohner riefen ihnen Glückwünsche zu und wer Lust hatte tanze zur Musik.

Vendela und Boje blieben fassungs- und sprachlos stehen, als sie Auffahrt nach Livdröm erreichten. Auch die Hochzeitsgesellschaft kam aus dem Staunen nicht heraus. Dort stand eine gewaltige Tafel, gefertigt aus einem einzigen Baum. Fynn und Boje hatten den stärksten und höchsten Baum gefällt, den sie finden konnten. Für die wuchtige Platte der Tafel haben sie den Baum der Länge nach durchgeschnitten. Getragen wurde die Platte von dicken Holzscheiben, die sie vom unteren Ende des Baumes gesägt hatten. Die Bänke zum sitzen waren auf die gleiche Weise gefertigt. Links und rechts der Tafel waren Marktbuden für Speisen und Getränke aufgebaut.

Boje und Vendela nahmen am oberen Ende der Tafel Platz.

„Sieh nur, die ganze Leute“, sagte Vendela. „Ich hätte nie gedacht, dass so viele Gäste kommen.“

„Ich hätte damit rechnen müssen“, sagte Boje.

„Liebster, damit hättest du nun wirklich nicht rechnen können“, antwortete Vendela erstaunt über die Selbstkritik ihres Mannes.

„Oh doch. Schließlich heirate ich heute die schönste Braut der Weihnachtswelt“, grinste er und gab ihr eine Kuss.

Boje hielt eine kurze Ansprache, in der er sich bei allen für das Kommen und die Glückwünsche bedankte.

„Und nun, lasst uns Essen, Trinken, Tanzen und Feiern. Danke, dass ihr diesen Tag für uns zu einem unvergesslichen Erlebnis macht. Prost!“

Die Musik fing an zu spielen und die Gäste bedienten sich an den Marktbuden mit Essen und Getränken. Wer gerade nicht mit Essen beschäftigt war setzte sich in die Wiese unter einen Baum oder machte einen Spaziergang durch die Felder, Wiesen oder den Weinberg von Livdröm. Ständig kamen und gingen Gäste.

Als die Strahlen der Sonne immer flacher auf die Hochzeitsfeier fielen, eröffneten Vendela und Boje die Tanzfläche. Die war schnell überfüllt und so wurde kurzerhand die Wiese zur zweiten Tanzfläche.

Vendela zog sich immer wieder mal zurück, um die Zwillinge zu stillen. Sie traf Lele und Paola in der Wohnstube, wo sie mit den Zwillingen auf einer Decke lagen.

Vendela setze sich zu ihnen.

„Danke. Ihr seit wirklich die besten Freundinnen, die man sich wünschen kann. Die Hochzeit ist genauso, wie ich sie mir immer gewünscht habe. Die Gäste feiern ausgelassen und ungezwungen, jeder hat eine tolle Zeit und genießt den Tag auf Livdröm.“

„Wir danken dir, dass du uns vertraut hast“, sagte Lele und platzte fast vor Stolz.

Ein Gedanke zu „23 Die Vermählung

  1. schade, dass es nun zu ende geht. ich freue mich auf morgen und möchte mich schon heute bei dir recht herzlich bedanken für die tägliche besinnung die du mir mit deiner geschichte geschenkt hast. bussi deine ma

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